Archetypes vol.1

Emulating Archetypes, Mesh, Weserburg, Bremen, 2018


Die Rauminstallation Emulating Archetypes bestehend aus drei disparaten Teilen, einem selbstgeschmiedeten Schwert, einem aus Erde geformten Buddhakopf und einer Videoprojektion mit sonderbaren Wolkenformationen sind durch eine diskursive Beziehung zueinander im Raum aufgebaut. Im Zentrum ragt der Kopf empor und mit halb geschlossenen Augen ist das Gesicht nach oben gerichtet. Über ihn zirkulieren Wolkenformationen auf unterschiedlichen Raumebenen von der einen zur anderen Seite. Die Wolkenbilder nehmen klare Umrisse an und können in abstrakte Zeichenmodelle übersetzt werden. Wie bei einem Ticker laufen die Zeichen in lineare Ebenen, so als ob sie eine gewohnte Lesestruktur abbildet und erinnert an geläufige Schriftsysteme.


Die Wolkenbilder und ihre umrisshaften Darstellungen wie z.B. von einem Hund, Auto, Halbmond oder Hakenkreuz reihen eine Anhäufung unzusammenhängender Ideenentwürfe nacheinander an. Sie setzt einen Rezipienten voraus, der die anreihenden Zeichen zu einem sinnvollen Zusammenhang in Bezug setzten möchte. Dabei kommt ihr eine Blickperspektive zu eigen, die an die Art und Weiße angelehnt ist, wie wir in die Ferne blicken und Himmelskörper beobachten. Wenn Ludwig Feuerbach von Astrologen redet und sie als die ersten Philosophen ausmacht, liegt die Annahme nahe, dass die Deutung von herumschwirrenden Himmelskörpern einen großen Einfluss auf das Denken der Menschen seit Anbeginn der Zeit ausgeübt haben. Diese abstrakten Vorgänge des Deuten und Rezipieren von Zeichen sind archetypisch und tief in unserer kulturellen Konditionierung verwurzelt.


Wenn Ideen und Vorstellungen Wirklichkeit stiftet, wenn sie durch sie erst strukturiert und zu Stande kommt, dann nehmen Zeichen nicht nur die Eigenschaft eines zu Bezeichnenden an, sondern auch die der Performativen. Durch ihr werden sowohl Identität, als auch Ideologie gestiftet. Sie können ein wirkmächtiges Diktat aufsetzen und eine erhabene, unhinterfragbare Stellung einnehmen. Sie können in rhetorische Bildmetaphern ausarten oder können ein Schweif sentimentalster Gehirngespinste abgeben. Die Metaphysik erklärt sie zu bloßen Illusionen, welche die Realität, das Echte, die wesentliche Essenz hinter den Dingen paraphrasiert und verkennt.


In der Ikonographie der buddhistischen Lehre, wie auch in anderen religiösen Motiven erkennen wir die Attribute der Tugenden in etwas Absolutes gesteigert und verkörpert. Die Ikonographie als solches dient als eine Ansammlung höchster Prämissen, die zur Aufklärung genutzt wurden. Für die Darstellung eines Buddhas existieren über hunderte Merkmale die strikt eingehalten werden müssen und die vor ihrer Fertigstellung einer strengen Kontrolle und einer zeremoniellen Weihe durch gelehrte Mönche unterzogen werden. Der Buddha oder Bodhisattva für Weisheit(Manjushri) wird z.B. immer mit einem Schwert in der rechten und einem Schriftstücke in der linken Hand als Hauptmerkmale charakterisiert.


Das Schwert wiederum steht für Weisheit demnach, dass es durch die Schärfe jede Illusion zu zerschneiden fähig sei. Die buddhistische Lehre der Diamant Sutra übersetzt bedeutet „Die Vollkommenheit der Weisheit, die [so scharf ist, dass sie] selbst einen Diamanten spalten kann“ (Diamant spaltende Vollkommenheit der Weisheit).